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Wirtschaftsweise: Hauptsächlich
sind die Chiquitano Ackerbauern im System der Brandrodung.
Die Dorfländereien sind Eigentum der Gemeinschaft, die von
jedem Einzelnen geleistete Arbeit sichert ihm jedoch, nach gemeinsamer
Absprache, den zeitweiligen Landbesitz. Hauptanbauprodukte sind
Mais, Maniok, Bananen und Bohnen. In letzter Zeit gewinnt der Reis
an Bedeutung. Die Chiquitano sind aber nicht nur Ackerbauern, sondern
daneben auch Jäger und Sammler. Wie schon vor dem Kontakt
mit den Jesuiten verbringen sie viel Zeit mit der Jagd. Obwohl heute
einiges von Auswärtigen gekauft wird, stellen die Chiquitano
viele Gegenstände des täglichen Gebrauchs noch selbst
her, so die aus Blättern geflochtenen Taschen oder die gewobene
Hängematte aus Baumwolle vom eigenen Acker. (Riester 1971A)
Dorfstruktur: Die indianische
Dorfgemeinde ist auf drei Ebenen organisiert: der Kazike und die
Gemeinderäte bilden den Cabildo, der für alle Anliegen
auf Gemeindeebene zuständig ist; dann kommen die Sippen, bestehend
aus den Verwandten mit gleichem Nachnamen, denen je ein Oberhaupt
vorsteht. (Riester 1976: 146). Die dritte Ebene ist die der erweiterten
Familie, die in der Regel in einem gemeinsamen Haus wohnt; jede
Familie hat zwar ihre eigenen Felder, doch tragen sie alle mit Lebensmitteln
zum gemeinsamen Haushalt bei. Familien organisieren Feste, zu denen
sie das ganze Dorf einladen, dadurch gewinnen sie Ansehen und Einfluss
in der Gemeinde. Auf Dorfebene gibt es Formen gegenseitiger Hilfe,
wie die Minga für den Bau eines Hauses, für Rodung,
Ernte und andere Arbeiten (ebd.: 148).
Religion und Weltbild: Die Chiquitano-Religion
hat typisch indianische Züge und ist geprägt von der starken
Abhängigkeit von der Natur, die gibt und nimmt und alle Aspekte
menschlichen Lebens beeinflusst. Wasserläufe, Berge, offene
Ebenen und Wälder haben ihre eigenen «Herren», die darüber
wachen, dass die Menschen die Natur nicht missbrauchen und nur das
nehmen, was sie benötigen. Diese «Herren», die «Jichis»,
haben meist die Gestalt von riesengrossen Schlangen. Auch die Tiere
und Pflanzen haben ihre «Herren». Die Chiquitano müssen eine
Reihe von Regeln und Tabus beachten, um nicht die Strafe des entsprechenden
«Jichis» zu provozieren. die etwa darin besteht, dass ein Jäger
kein Tier- mehr erlegen kann, oder dass die Ernte schlechter als
erwartet ausfällt. Dieses religiöse System verhindert.
dass die Menschen ihre natürliche Umwelt zerstören.
Der Chiquitano besitzt verschiedene
Seelen. Wenn er stirbt, werden ihm Mund, Nase und Ohren verschlossen,
damit der Tote nicht wiederkehrt. Die Seelen können noch eine
Zeitlang im Dorf herumirren. Ihre letztliche Bestimmung sind jedoch
die verschiedenen Himmel, in denen «alle glücklich leben»(ebd.:
152)
Schamanen: Die Chiquitano besitzen
hervorragende Kenntnisse natürlicher Heilmethoden. auf die
sie im Krankheitsfall zurückgreifen; wenn es ernster ist, gehen
sie zum Schamanen. Diese sind für die Chiquitano sehr wichtig,
denn Krankheiten und Unglücksfälle kommen nicht zufällig,
sondern werden von feindlich gesinnten Menschen oder von den Herren
der Natur verursacht. Die Chiquitano unterscheiden zwischen den
guten Schamanen. den «Cheeserush» die den Leuten helfen,
und den bösen «Aboish», die Menschen verzaubern und
ihnen damit Krankheiten oder sogar den Tod bringen können.
Ob ein Schamane als gut oder böse angesehen wird. hängt
von den verwandtschaftlichen Beziehungeb ab: so kann er gleichzeitig
für die einen MitgIieder der Gemeinschaft ein Cheeserush und
für die anderen ein Aboish sein (ebd.: 156). Der Schamane heilt,
indem er am kranken Körperteil saugt und so von dort den Gegenstand
entfernt, der die Krankheit verursacht hat. Er kennt sich auch mit
Pflanzen und anderen natürlichen Heilmitteln aus und nutzt
seine Fähigkeiten nicht nur zum Heilen, sondern auch, damit
es regnet, um Jagdwild anzulocken und bei anderen Diensten für
die Gemeinschaft: das stärkt seine Position derart, dass er
manchmal mehr Einfluss als der Kazike hat.
In den letzten Jahren hat der Modernisierungsdruck
sehr zugenommen. Es gibt zwar keine Studien jüngeren Datums
darüber, doch sprechen die Anzeichen dafür, dass die indianische
Kultur der Chiquitano trotzdem in ihrem Wesen unverändert geblieben
ist, wenn auch viele Ausdrucksformen ihres Denkens verschwunden
sind.
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